Provinz Chiang Mai II: Mae Sa Elephant Camp, Baan Tong Luang Hill Tribe Village

Mae Sa Elephant Camp – Dickhäuter mit Charme

Am nächsten Morgen holte uns Mr. Saad schon um 9 Uhr 30 ab. Wir hatten ihn gefragt, ob wir etwas später fahren könnten, aber er wies uns darauf hin, dass wir dann nicht das volle Programm im Elefanten-Camp sehen würden.

Wir fuhren in das größte Elefanten-Camp Nord-Thailands, dem Mae Sa Elephant Camp, das über 70 Elefanten beherbergt, die von mehr als 90 Elefantenführern, sogenannten Mahouts, betreut und trainiert werden.

Das Camp war gut besucht, besonders von Familien. An der ersten Station konnten Elefanten gestreichelt und gefüttert werden. Dafür waren Bananen und Zuckerrohr für wenige Baht erhältlich.

Nicht nur die Kinder hatten Spaß daran, wenn die Elefanten den Besuchern das Futter aus der Hand nahmen. Die Mahouts flüsterten ihren Elefanten die Kommandos zu und die Elefanten gaben ihren Rüssel zum Gruß, lüfteten Hüte und umarmten mit dem Rüssel.

Auch wir wollten ein Erinnerungsfoto und stellten uns zwischen zwei Elefanten in Position.

Anschließend wurden die Elefanten von ihren Führern zum Fluss geführt, wo sie ein erfrischendes Bad nehmen konnten.

Sie wurden geschrubbt, was sie sichtlich genossen. Auch die Zahnpflege kam nicht zu kurz. Sie wurde mit riesigen Zahnbürsten ausgeführt. Ab und zu gab es auch eine Dusche für die Zuschauer, wenn die Elefanten Wasser aus ihren Rüsseln in Richtung Zuschauer prusteten. Angesichts der vielen Exkremente, die die Elefanten zuvor im Wasser verloren hatten, fand ich das etwas ekelig.

Dann folgte die große Elefantenshow. Hier zeigten die Elefantenführer, was sie den Tieren beigebracht hatten: Zuschauer begrüßen, mit dem Rüssel wedeln und mit Reifen jonglieren.

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Die Qualifikation zur Fußball-WM scheiterte allerdings wegen mangelnder Treffsicherheit kläglich.

Der Einsatz als Arbeitstier, wie er heute noch vielerorts praktiziert wird, wurde ebenfalls demonstriert.

Der Höhepunkt war, den Elefanten dabei zuzusehen, wie sie ein Bild malten. Zu erwähnen wäre hier noch, dass das Mae Sa Elephant-Camp den Weltrekord mit dem teuersten, von Elefanten gemalten Bild hält. Acht Elefanten bemalten eine Wand von 2,4 Metern Höhe und 6 Metern Länge mit Acrylfarben und erzielten damit einen Erlös von 39.500 US-Dollar.

Wenn ich es nicht selbst gesehen hätte, würde ich es nicht glauben, dass Elefanten so schöne Bilder malen können.

Am Ende der Show bedankten sich die Elefanten mit ihren Mahouts beim Publikum und wünschten einen schönen Tag.

Zum Camp gehört auch eine Krankenstation, auf der kranke, ansonsten wild lebende Tiere gesund gepflegt werden und eine Baby-Aufzuchtstation für Waisenbabys.

Anhand von Schautafeln wurden die Lebensweise der Elefanten und die Entwicklung des Elefanten-Camps anschaulich dargestellt.

Noch ganz beeindruckt von dem, was wir im Elefanten-Camp gesehen hatten, kamen wir zu Mr. Saad zurück, der geduldig auf uns gewartet hatte.

Baan Tong Luang Hill Tribe Village – ein Dorf – acht Bergvölker

Als Nächstes besuchten wir ein Hill Tribe Village, in dem Bergvölker 8 unterschiedlicher Stämme (Lahu, Mhong, White Karen, die Long necked Karen, auch bekannt als Padong oder Paduang, Yao, Akha, Kayaw und Palong) gemeinschaftlich in einem Regierungsprojekt angesiedelt wurden.  Jedes zur ethnischen Minderheit gehörende Volk bewohnt hier quasi ein Mini-Dorf.

Die Besucher können sich in aller Ruhe alles anschauen und erhalten einen Überblick über die Lebensweise und Eigenheiten der Bergvölker.

Wir schauten ihnen bei ihren täglichen Verrichtungen zu.

Viele beschäftigten sich mit dem Weben von bunten Stoffen, die anschließend zu traditioneller Kleidung verarbeitet werden.

Die Kleidungsstücke wurden anschließend mit kunstvollen Stickereien versehnen.

Die Hmong fertigen Schmuck und handwerkliche Produkte, die dann zum Verkauf angeboten werden.

Zwischen den einzelnen Siedlungen wird Reis angebaut.

Wir konnten auch einen Blick in viele Hütten werfen.

Zwischen den Hütten sind Nutz- und Ziergärten angelegt.

Burkhard entdeckte eine komplette Schmiede und einen Dreschplatz.

Im Dorf der Kayan Karen, die aus Myanmar vertrieben wurden, trugen die Frauen die traditionellen Messingringe.

Erschreckend fanden wir es allerdings, dass auch schon Kindern dieser Halsschmuck angelegt wurde.

Als wir zu Mr. Saad zurückkehrten, hielt dieser gerade sein Mittagsschläfchen, aus dem er äußerst unsanft von einer Kioskbesitzerin gerissen wurde, als sie bemerkte, dass wir zurückgekehrt waren. Soweit wir es verstanden, schimpfte sie ihn, weil er seine Fahrgäste vernachlässigte. Etwas verlegen entschuldigte er sich bei uns mehrfach für sein Verhalten.

Stempel für Mr. Saad

Am Vortag hatten wir Mr. Saad von unserem Erlebnis mit dem Taxifahrer aus Phuket erzählt und der Provision, die dieser dafür erhalten hatte, dass er Fahrgäste zu einem Shop gebracht hatte. Er erzählte uns, dass es so etwas auch in Chiang Mai gäbe. Also war es jetzt an der Zeit, auch etwas für Mr. Saad zu tun.

Der große Schmuck-Shop wurde im Schnelldurchlauf absolviert.

Im Shop für Seide und Möbel hatten wir eine überaus lustige Unterhaltung mit dem Shop-Besitzer, der uns mehrfach versicherte, dass wir unbedingt einen Schachtisch mit passenden Stühlen für unser Heim bräuchten.

Die mit Perlen und Edelsteinen bestickten Wandteppiche waren sehr schön, aber leider fehlt uns dafür ein geeigneter Platz in unserem Haus.

Kok River – wie Wünsche in Erfüllung gehen

Eigentlich hatten wir vor, am nächsten Tag vor unserer Abreise noch eine Bootsfahrt auf dem Kok River zu machen. Da es aber erst 16 Uhr war, schlug Mr. Saad vor, uns jetzt zum Bootsanleger zu bringen.

Bis zur Abfahrt des Bootes war noch Zeit, einen Tempel zu besichtigen, und wir entdeckten dabei an einer Wand ein sehr schönes Holzrelief.

Auf dem Vorplatz des Bootsanlegers stand ein Baum mit reifen Sternfrüchten.

Das Dach des Tempels war renovierungsbedürftig, und für ein paar Baht konnte man sich auf einen Ziegelstein verewigen.

Die Zeit reichte auch noch, um die thailändische Variante der Hollywoodschaukel auszuprobieren.

Unser Bootsführer forderte uns zum Einsteigen auf, und wir fuhren den Kok River entlang.

Rechts und links des Ufers standen einfache Hütten neben pompösen Palästen, Hotels und Restaurants.

Viele Hobbyangler hielten die Angel in das Wasser in der Hoffnung, ein leckeres Abendessen zu fangen oder fischten auf andere Weise.

Unser Bootsführer informierte uns in gutem Englisch über den Fluss, wies hin und wieder auf Besonderheiten hin, und erklärte Flora und Fauna. Er erzählte uns auch, wie Wünsche in Erfüllung gehen können: Hat jemand einen Wunsch, von dem er möchte, dass er in Erfüllung geht, braucht er einen Freund, der ihm einen Vogel und einen Fisch schenkt. Diesen beiden muss er dann am Flussufer die Freiheit schenken, und schon geht der Wunsch in Erfüllung. Wir hatten keine Gelegenheit, es auszuprobieren.

Mehrfach sahen wir einen blau gemusterten Vogel, den es explizit nur hier geben soll.

Nach etwa 15 Kilometern legte das Boot bei einer Gewürzfarm mit Restaurant an, in dessen Garten so allerlei Pflanzen wuchsen. Unser Bootsführer führte uns durch den Garten und erklärte Art und Verwendung der jeweiligen Pflanzen.

Wir sahen verschieden Gewürzpflanzen wie Kardamom und Zimt.

An den Bäumen hingen Jackfrüchte, Papaya und Kaffeebohnen.

Die Schweine, die tagsüber frei im Gelände herumlaufen dürfen, hatten sich bereits zur Nachtruhe in ihrem Verschlag niedergelegt.

Auf Schautafeln wurde die Geschichte des Kok Rivers und dessen Bedeutung verdeutlicht.

Gewürze zum Riechen und Schmecken standen bereit.

Das ganze Restaurant war ein einziges Sammelsurium von Gebrauchsgegenständen und Antiquitäten.

Sogar ein Elefanten-Skelett war darunter.

Bevor wir die Rückfahrt antraten, wurden wir mit Saft und frischem Obst bewirtet. Als wir die Heimfahrt in Richtung Chiang Mai antraten, war die Sonne bereits untergegangen. Im Wasser spiegelten sich die Lichter der am Ufer stehenden Häuser und Restaurants.

Als das Boot wieder anlegte, fanden wir Mr. Saad lesend in der Bibliothek am Ufer. Die von Burkhard anfänglich geäußerte Vermutung, Mr. Saad sei vielleicht Analphabet, was nicht selten in Thailand ist, traf also nicht zu.

Er brachte uns zurück ins Hotel, und wir mussten ihm auf Nachfrage mehrfach versichern, dass es für uns ein schöner Tag gewesen sei, was ja auch zutraf. Ein schöner Tag war wieder zu Ende, wir hatten wieder tolle Erlebnisse, und diese auch, dank Mr. Saads Geduld, in Ruhe genießen können.

Am Abend erinnerten wir uns an die leicht vergilbte Referenzmappe, die er uns bei unserer ersten Begegnung präsentiert hatte. Wir beschlossen, ihm ebenfalls eine Empfehlung zu schreiben, die wir ihm dann am nächsten Morgen, als er uns zum Busbahnhof brachte, überreichten. Den Inhalt des Schreibens verstand er nicht, denn es war in deutscher Sprache verfasst, aber er war so glücklich über das Papier, strich mehrmals darüber, und ich meine gesehen zu haben, dass seine Augen etwas feuchter als sonst wurden. Als ihn Burkhard nach dem Fahrpreis für den Transport zum Busbahnhof fragte, sagte er: „Gib mir ein wenig für das Benzin“.

Chiang Mai war eine große, hektische Stadt. Wir sehnten uns nach etwas mehr Ruhe, deshalb fiel uns der Abschied von Chiang Mai, obwohl wir wieder viel Interessantes und Neues entdeckt hatten, nicht allzu schwer. Der Abschied von Mr. Saad fiel uns dagegen sehr schwer; am liebsten hätten wir ihn mitgenommen.

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